roter strich

Mystik aus Frankfurt: Die Theologia deutsch. Eine Grundschrift der Mystik und ihre Wirkung von Luther über Jacob Böhme bis zur Gegenwart 

                                  

Den Beginn der Druckgeschichte dieses mystischen Traktats markiert Martin Luther, der diesen 1516 erstmals (fragmentarisch), 1518 dann vollständig unter dem Titel Eyn deutsch Theologia mit einem Holzschnitt von Lucas Cranach publizierte. Inzwischen kennen wir mehr als 190 gedruckte Ausgaben (Stand 1963) dieser je nach Textzeuge 53-56 kurze Kapitel umfassenden Schrift, die in fast alle europäische Sprachen sowie ins Japanische und Chinesische übersetzt wurde und nahezu weltweit verfügbar ist. Der aus dem Deutschherrenhaus von Frankfurt am Main (Sachsenhausen) stammende Verfasser ist bis heute namentlich nicht bekannt; auch das Entstehungsdatum ist ungewiss, fällt aber wohl noch ins 14. Jahrhundert. Der vom jungen Luther so hoch geschätzte Text, den er im Überlieferungskontext von Johannes Tauler und Meister Eckhart ansiedelte, wurde von Calvin und den Reformierten ebenso abgelehnt wie von der katholischen Kirche, die ihn 1612 auf den Index verbotener Bücher setzte. Unter Heterodoxieverdacht geriet Der Franckforter  – der Titel stammt aus der überlieferungsgeschichtlich wichtigen Bronnbacher Handschrift – seit Beginn des 16. Jahrhunderts, aber auch vonseiten der lutherischen Orthodoxie.

Die Schwerpunkte der Tagung sind neben den Ausgaben Martin Luthers die Bronnbacher Handschrift (Stadtbibliothek Frankfurt), die Rezeption der Theologia deutsch durch Jacob Böhme und seinen Kreis sowie im Pietismus. Darüber hinaus wird ihre Rezeption bei Arthur Schopenhauer und in der Romantik thematisiert. Zudem wird die Frage nach der Aktualität der Theologia deutsch heute diskutiert. Ein Lektüreseminar wird auf diese Tagung vorbereiten.

Veranstalter:
Kath. Akademie Rabanus Maurus (Frankfurt a.M.), Internationales Jacob-Böhme-Institut e.V. (Görlitz), DENKRAUM und Schopenhauer-Gesellschaft e.V. (beide Frankfurt a.M.)
Tagungsprogramm:
1. Erwachsen(d)er Glaube. Christliche Mystik in der Zeitenwende - heute und damals (Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden)
2. Luthers Verständnis der Theologia deutsch - Ein Missverständnis? (Prof. em. DR. Dr. h.c. mult. Alois Haas, Zürich)
3. Die Theologia deutsch, Valentin Weigel und der Pietismus (Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Valendar)
4. Das “falsche Licht” und der “Trunkene vom Gestirn”, Jacob Böhmes Schriften gegen Esajas Stiefel in der Tradition der Theologia deutsch (Dr. Günther Bonheim, Maienfels)
5. Zur Rezeption der Theologia deutsch im Werk Jacob Böhmes und seiner Anhänger und deren Resonanz in den Streitschriften (Dr. Sibylle Rusterholz, Bern)
6. “So der inner mensche einen ubersprunk tete”. Die Bestimmung des Menschen bei Meister Eckhart und in der Theologia deutsch (PD Dr. Reiner Manstetten, Heidelberg)
7. “Von Ufer zu Ufer” - Schopenhauer als Leser der Theologia deutsch (Dr.. Thomas Regehly, Offenbach a.M.)
8. Die Rezeption der Theologia deutsch bei den Romantikern (Dr. Sabine Gruber, Tübingen)

Ein Begleitseminar zur Tagung fand ebenfalls statt: Sa 22. Februar, 10.00 – 15.00 Uhr, Haus am Dom, Domplatz 3.

Mit: Dr. Thomas Regehly, Offenbach a. M., Prof. Dr. Günter Kruck, Frankfurt a. M.

Im Vorfeld der Tagung „Mystik aus Frankfurt: Die Theologia deutsch“ am 4./5. April luden die Veranstalter zu einem Seminar ein, das durch gemeinsame Lektüre wesentlicher Passagen der Theologia deutsch und entsprechender Einführungen auf diesen Text und seine erstaunliche Wirkungsgeschichte vorbereiten sollte.