Reiner Schweinfurth, Berlin:

Die Grenzen der Anschauung und die Macht des Wortes oder : Die Unvermeidlichkeit der metaphorischen Rede und die Darstellung vorläufiger Ordnung in einer Grafik. Abgleich zwischen dem Schaubild und dem Text der ersten Frage in Böhmes "Vierzig Fragen von der Seele.

Jacob Böhme:

„Ich  vergleiche die gantze Philosophiam, Astrologiam und Theologiam, samt ihrer Mutter, einem köstlichen Baum, der in einem schönen Garten wächst.“

Der erste Satz der „Aurora“ umreißt die rhetorischen Mittel, derer sich Böhme beim Schreiben bedient. Der Vergleich leitet die Begriffe über in eine mythologische Ortsbestimmung oder Erzählung, die einen metaphorischen Raum öffnet. Wenn es eine Mutter der Theologie etc. gibt – wer ist dann der Vater? Der Vergleich kehrt nicht mehr zurück, sondern entwickelt sich zu immer neuen, organischen Sinnbildern (Baum, Garten, wachsen), die ein Verständnis sui generis fordern und beim Lesen auch entwickeln.

Ein gutes Beispiel dafür ist „Die Philosophische Kugel oder das Wunder Auge der Ewigkeit“ Die Grafik relativiert den teilweise hohen Abstraktionsgrad ihrer Beschriftung durch eine einfache Aufzählung von 1 bis 65 . Darum geht es in unserem Seminar. Der Anspruch ist hoch: „Die Philosophische Kugel oder das Wunder Auge der Ewigkeit“ will nicht mehr und nicht weniger leisten als die graphische Darstellung des Böhme’schen Bezugssystems, das von der Seele wahrgenommen werden kann.

Wie kann dies gelingen? Was verweist worauf? Um welche Ordnung geht es? Wie verhalten sich die Begriffe der Gaphik zu ihrer verbalen Inszenierung im Text, in ihrer Flektion, zur Tätigkeit, in der sie sich befinden? Dabei wird klar, dass die Geometrie des Schaubildes eine Klarheit hat, die fast schon anstößig ist.

Wir verfolgen die wohl von Böhme selbst vorgenommene Nummerierung, gehen vom „Abgrundt“  bis nach Babel, aus dem Dunkel, wo der Teufel das „1. Principium“ prägt, hinüber ins „2. Principium“ des Lichts, wo die Seele das Reich der Erlösung betritt. „Die Philosophische Kugel“ ist „fast“ selbsterklärend für den, der sich von Böhme führen lässt. Dazu soll dieses Seminar ermuntern.

 
Online-Seminar am 28.08.2021 um 17 Uhr: