Kennen oder haben Sie auch ein Gedicht über Jacob Böhme, in dem er oder seine Philosophie vorkommt? Und das hier noch nicht zu finden ist? Senden Sie es uns gerne!

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Johannes Scheffler (Angelus Silesius)

Im Wasser lebt der Fisch, die Pflanzen in der Erden,

Der Vogel in der Luft, die Sonn im Firmament.

Der Salamander muß im Feur erhalten werden:

Und Gottes Herz ist Jakob Böhmens Element.

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Friedrich von Hardenberg (Novalis)


An Tieck (erste Fassung)

Ein Kind voll Wehmut und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende u[nd] Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langen Suchen, langen Warten, 
Nach manchen mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallnen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt und ließt und schauet 
In den Kristall der neuen Welt 
An Gras u[nd] Sternen sich erbauet 
Und dankbar auf die Kniee fällt,

So hebt sich sacht aus Gras u[nd] Kräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann 
In schlichten Rock und kommt mit heitern 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt und heimlich sind die Züge 
So kindlich und so wunderbar,
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände - 
Es ist des Buches hoher Geist
Der ihm der sauren Wallfahrt Ende 
Und seiner Eltern Wohnung weißt.

Du kniest auf meinen öden Grabe 
So spricht der ernste, heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg, als armer Knabe 
Hab ich ein himmlisch Buch gesehn
Und konnte nun mit dieser Gabe 
Getrost den Weg des Lebens gehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben
Was Gottes Huld mir offenbart 
Und bin verkannt und arm geblieben 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll diese Schrift des Tempels seyn - 
In diesem Buche bricht der Morgen

In deine düstre Zeit herein.

Verkündiger der Morgenröthe, 
Des Friedens Bote sollst du seyn 
Sanft, wie die Luft in Harf und Flöte, 
Hauch ich dir meinen Athem ein.

Gott sei mit dir - geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche 
So bleibt dein Haupt in lichten Blau.

Du hilfst das Reich des Lebens gründen 
Wenn du voll Demuth dich bemühst,
Wo du wirst ewge Liebe finden 
Und Jacob Böhmen wiedersiehst.

 Entstanden Frühjahr 1800. Überliefert in der Handschrift Novalis‘.

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Friedrich von Hardenberg (Novalis)

An Tieck (zweite Fassung)

Ein Kind voll Wehmuth und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende und Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langem Suchen, langem Warten, 
Nach manchem mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallenen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn; 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt, und liest, und schauet 
In den Kristall der neuen Welt, 
An Gras und Sternen sich erbauet, 
Und dankbar auf die Kniee fällt:

So hebt sich sacht aus Gras undKräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann, 
Im schlichten Rock, und kommt mit heiterm 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt doch heimlich sind dieZüge, 
So kindlich und so wunderbar; 
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände, 
Es ist des Buches hoher Geist, 
Der ihm der sauern Wallfahrt Ende 
Und seines Vaters Wohnung weis‘t.

Du kniest auf meinem öden Grabe, 
So öffnet sich der heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg als armer Knabe 
Hab‘ ich ein himmlisch Buch gesehn, 
Und konnte nun durch diese Gabe 
In alle Kreaturen sehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn; 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben, 
Was innre Lust mir offenbart, 
Und bin verkannt und arm geblieben, 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll das Mysterium mehr seyn. 
In diesem Buche bricht der Morgen 
Gewaltig in die Zeit hinein.

Verkündiger der Morgenröthe, 
Des Friedens Bote sollst du seyn. 
Sanft wie die Luft in Harf‘ und Flöte 
Hauch‘ ich dir meinen Athem ein.

Gott sey mit dir: Geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche, 
Und bade dich im ewgen Blau.

Du wirst das letzte Reich verkünden, 
Was tausend Jahre soll bestehn; 
Wirst überschwenglich Wesen finden, 
Und Jakob Böhmen wiedersehn.

Erstdruck: Musen-Almanach für das Jahr 1802, hg. v. Ludwig Tieck und A.W. Schlegel, auf Basis einer Abschrift von Friedrich Schlegel.

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Achim von Arnim: Der Durchbruch der Weisheit-pdf

aus: Der Wintergarten (1809), Achter Winterabend

Das Gedicht über Jacob Böhme umfasst rund 80 Strophen, daher drucken wir es aufgrund der Länge nicht ab sondern stellen es als pdf-File zur Verfügung.

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Aurora

Das Herz ward dir gestärkt von Menschenhand,

gehemmt pulsierte es zu kranken Adern,

bis, neu genäht, das Herz im Leben stand,

der Körper war bereit zum Wandern.

 

Der Finger der vorm Mund ans Schweigen dich erinnert,

sich von den Lippen löst und weist dir deinen Weg.

Ein jedes Ding hat seinen Mund zur Offenbarung,

ein jeder Mund den Ton für mancher Dinge Klang.

 

Und willst du das nicht glauben,

so thue deine Augen auf,

und gehe hin zu einem Baum,

 

und siehe den dir an und dann besinne dich.

Neu geheilt befreit sich mein Verstand,

weil ich Jacob Böhme wieder fand.

 

Die Rose des Mystikers

 

Ein iedes Ding hat seinen Mund

zur Offenbarung. Zeig’ die Blüte,

auch wenn vom Stengel eine Wund’

gerissen ward, daraus erglühte

 

so hell ein brennend heißes Wort,

das alle Kinder herzwärts tragen.

In Liebe trägt Natur uns fort,

wohin, das mag die Seele sagen.

 

Wovon der Name nicht bekannt,

davon die Seele nichts versteht.

Geheim ist Glück. Ein fernes Land

 

die Zeit, die nah um uns vergeht!

Hat Sonne uns das Feld verbrannt,

wird neues Leben ausgesät.

 

Thomas Isermann (aus: Mondrosen. Sonette)