Jacob-Böhme-Gedichte

Kennen oder haben Sie auch ein Gedicht über Jacob Böhme, in dem er oder seine Philosophie vorkommt? Und das hier noch nicht zu finden ist? Senden Sie es uns gerne!

Es gibt noch viel mehr Gedichte über bzw. mit Jacob Böhme, als wir hier wiedergeben können. Gedichte beispielsweise, auf denen ein Copyright liegt, können wir hier leider nicht aufnehmen. Es sei denn, es stammt von Ihnen und Sie stellen es uns zur Verfügung.

 

Johannes Scheffler (Angelus Silesius)

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Johannes Scheffler (Angelus Silesius)

Im Wasser lebt der Fisch, die Pflanzen in der Erden,

Der Vogel in der Luft, die Sonn im Firmament.

Der Salamander muß im Feur erhalten werden:

Und Gottes Herz ist Jakob Böhmens Element.

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Friedrich von Hardenberg (Novalis)

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Friedrich von Hardenberg (Novalis)


An Tieck (erste Fassung / zweite Fassung)

 

 

Ein Kind voll Wehmut und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende u[nd] Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langen Suchen, langen Warten, 
Nach manchen mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallnen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt und ließt und schauet 
In den Kristall der neuen Welt 
An Gras u[nd] Sternen sich erbauet 
Und dankbar auf die Kniee fällt,

So hebt sich sacht aus Gras u[nd] Kräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann 
In schlichten Rock und kommt mit heitern 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt und heimlich sind die Züge 
So kindlich und so wunderbar,
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände - 
Es ist des Buches hoher Geist
Der ihm der sauren Wallfahrt Ende 
Und seiner Eltern Wohnung weißt.

Du kniest auf meinen öden Grabe 
So spricht der ernste, heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg, als armer Knabe 
Hab ich ein himmlisch Buch gesehn
Und konnte nun mit dieser Gabe 
Getrost den Weg des Lebens gehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben
Was Gottes Huld mir offenbart 
Und bin verkannt und arm geblieben 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll diese Schrift des Tempels seyn - 
In diesem Buche bricht der Morgen

In deine düstre Zeit herein.

Verkündiger der Morgenröthe, 
Des Friedens Bote sollst du seyn 
Sanft, wie die Luft in Harf und Flöte, 
Hauch ich dir meinen Athem ein.

Gott sei mit dir - geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche 
So bleibt dein Haupt in lichten Blau.

Du hilfst das Reich des Lebens gründen 
Wenn du voll Demuth dich bemühst,
Wo du wirst ewge Liebe finden 
Und Jacob Böhmen wiedersiehst.

Ein Kind voll Wehmut und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende u[nd] Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langen Suchen, langen Warten, 
Nach manchen mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallnen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt und ließt und schauet 
In den Kristall der neuen Welt 
An Gras u[nd] Sternen sich erbauet 
Und dankbar auf die Kniee fällt,

So hebt sich sacht aus Gras u[nd] Kräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann 
In schlichten Rock und kommt mit heitern 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt und heimlich sind die Züge 
So kindlich und so wunderbar,
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände - 
Es ist des Buches hoher Geist
Der ihm der sauren Wallfahrt Ende 
Und seiner Eltern Wohnung weißt.

Du kniest auf meinen öden Grabe 
So spricht der ernste, heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg, als armer Knabe 
Hab ich ein himmlisch Buch gesehn
Und konnte nun mit dieser Gabe 
Getrost den Weg des Lebens gehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben
Was Gottes Huld mir offenbart 
Und bin verkannt und arm geblieben 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll diese Schrift des Tempels seyn - 
In diesem Buche bricht der Morgen

In deine düstre Zeit herein.

Verkündiger der Morgenröthe, 
Des Friedens Bote sollst du seyn 
Sanft, wie die Luft in Harf und Flöte, 
Hauch ich dir meinen Athem ein.

Gott sei mit dir - geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche 
So bleibt dein Haupt in lichten Blau.

Du hilfst das Reich des Lebens gründen 
Wenn du voll Demuth dich bemühst,
Wo du wirst ewge Liebe finden 
Und Jacob Böhmen wiedersiehst.

 

Ein Kind voll Wehmuth und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende und Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langem Suchen, langem Warten, 
Nach manchem mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallenen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn; 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt, und liest, und schauet 
In den Kristall der neuen Welt, 
An Gras und Sternen sich erbauet, 
Und dankbar auf die Kniee fällt:

So hebt sich sacht aus Gras undKräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann, 
Im schlichten Rock, und kommt mit heiterm 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt doch heimlich sind dieZüge, 
So kindlich und so wunderbar; 
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände, 
Es ist des Buches hoher Geist, 
Der ihm der sauern Wallfahrt Ende 
Und seines Vaters Wohnung weis‘t.

Du kniest auf meinem öden Grabe, 
So öffnet sich der heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg als armer Knabe 
Hab‘ ich ein himmlisch Buch gesehn, 
Und konnte nun durch diese Gabe 
In alle Kreaturen sehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn; 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben, 
Was innre Lust mir offenbart, 
Und bin verkannt und arm geblieben, 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll das Mysterium mehr seyn. 
In diesem Buche bricht der Morgen 
Gewaltig in die Zeit hinein.

Verkündiger der Morgenröthe, 
Des Friedens Bote sollst du seyn. 
Sanft wie die Luft in Harf‘ und Flöte 
Hauch‘ ich dir meinen Athem ein.

Gott sey mit dir: Geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche, 
Und bade dich im ewgen Blau.

Du wirst das letzte Reich verkünden, 
Was tausend Jahre soll bestehn; 
Wirst überschwenglich Wesen finden, 
Und Jakob Böhmen wiedersehn.

Ein Kind voll Wehmuth und voll Treue, 
Verstoßen in ein fremdes Land, 
Ließ gern das Glänzende und Neue, 
Und blieb dem Alten zugewandt.

Nach langem Suchen, langem Warten, 
Nach manchem mühevollen Gang, 
Fand es in einem öden Garten 
Auf einer längst verfallenen Bank

Ein altes Buch mit Gold verschlossen, 
Und nie gehörte Worte drinn; 
Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, 
So wuchs in ihm ein innrer Sinn.

Und wie es sitzt, und liest, und schauet 
In den Kristall der neuen Welt, 
An Gras und Sternen sich erbauet, 
Und dankbar auf die Kniee fällt:

So hebt sich sacht aus Gras undKräutern 
Bedächtiglich ein alter Mann, 
Im schlichten Rock, und kommt mit heiterm 
Gesicht ans fromme Kind heran.

Bekannt doch heimlich sind dieZüge, 
So kindlich und so wunderbar; 
Es spielt die Frühlingsluft der Wiege 
Gar seltsam mit dem Silberhaar.

Das Kind faßt bebend seine Hände, 
Es ist des Buches hoher Geist, 
Der ihm der sauern Wallfahrt Ende 
Und seines Vaters Wohnung weis‘t.

Du kniest auf meinem öden Grabe, 
So öffnet sich der heilge Mund, 
Du bist der Erbe meiner Habe, 
Dir werde Gottes Tiefe kund.

Auf jenem Berg als armer Knabe 
Hab‘ ich ein himmlisch Buch gesehn, 
Und konnte nun durch diese Gabe 
In alle Kreaturen sehn.

Es sind an mir durch Gottes Gnade 
Der höchsten Wunder viel geschehn; 
Des neuen Bunds geheime Lade 
Sahn meine Augen offen stehn.

Ich habe treulich aufgeschrieben, 
Was innre Lust mir offenbart, 
Und bin verkannt und arm geblieben, 
Bis ich zu Gott gerufen ward.

Die Zeit ist da, und nicht verborgen 
Soll das Mysterium mehr seyn. 
In diesem Buche bricht der Morgen 
Gewaltig in die Zeit hinein.

Verkündiger der Morgenröthe, 

Des Friedens Bote sollst du seyn. 
Sanft wie die Luft in Harf‘ und Flöte 
Hauch‘ ich dir meinen Athem ein.

Gott sey mit dir: Geh hin und wasche 
Die Augen dir mit Morgenthau. 
Sey treu dem Buch und meiner Asche, 
Und bade dich im ewgen Blau.

Du wirst das letzte Reich verkünden, 
Was tausend Jahre soll bestehn; 
Wirst überschwenglich Wesen finden, 
Und Jakob Böhmen wiedersehn.

 

 

 

 1. Fassung: Entstanden Frühjahr 1800. Überliefert in der Handschrift Novalis‘.

2. Fassung: Erstdruck: Musen-Almanach für das Jahr 1802, hg. v. Ludwig Tieck und A.W. Schlegel, auf Basis einer Abschrift von Friedrich Schlegel.

 

Achim von Arnim

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Achim von Arnim: Der Durchbruch der Weisheit-pdf

aus: Der Wintergarten (1809), Achter Winterabend

Das Gedicht über Jacob Böhme umfasst rund 80 Strophen, daher drucken wir es aufgrund der Länge nicht ab sondern stellen es als pdf-File zur Verfügung.

Max von Schenkendorf

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An Jacob Böhme′s Grabe.

Görlitz im Mai 1813.

Ich komm′ aus weiter Ferne

Ein müder Wandersmann,

Mir zeigten lichte Sterne

Zu dir die liebe Bahn.

Als Knabe schon vernommen

Hab′ ich ein Wort von dir,

Nun bin ich selbst gekommen,

Und bin so selig hier.

Dort hat die Welt ihr Wesen,

Hier weht so milde Luft,

Es müssen wol genesen

Die Krieger an der Gruft.

Sie nahn voll Blut und Schmerzen

Und finden hier das Heil,

Der Todespfeil im Herzen

Wird schnell zum Liebespfeil.

Und seit ich hier gesessen,

Was ist in mir geschehn,

Wie viel hab′ ich vergessen,

Wie viel hab′ ich gesehn!

Ich war so weit gegangen,

Ich war so reich und arm,

Die Brust war von Verlangen,

Von Haß und Liebe warm.

In Quellen wollt′ ich tauchen

Mein glänzend Angesicht,

Da kam zu mir dein Hauchen,

Da winkte mir dein Licht.

Des ew′gen Ursprungs Spuren,

Die Form aus erster Hand,

Der Dinge Signaturen -

Sind sie so schnell erkannt?

Wer möchte nicht erwerben

So hohen Meisterthron?

Wer nicht aus Liebe sterben,

Wenn das des Todes Lohn?

Doch läßt sich das nicht kaufen,

Sophia wird geschenkt;

Ich will Aurora taufen,

Was hier in mich gesenkt.

 

Aus: Max von Schenkendorf: Gedichte. Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen von August Hagen. 4. Auflage. Stuttgart (Cotta) 1871, S. 67f.

 

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Franz Binhack

Franz Binhack

Jacob Böhm, der Theosoph

 

Ein Schuster saß, ein Biedermann,
Zu Görlitz in der Stadt;
Der spannte seinen Riemen an
Und teerte sich den Draht
Und auf dem Knie mit Hammerstreich
Schlug er das braune Leder weich.

Es schnitt der Kneif, die Pfrieme sticht,
Der Borste Bahn sie brach,
Ein Doppelfaden schwarz gepicht
Kroch ihr erst säumig nach,
Bis links und rechts mit einem Griff
Er durch des Schuhes Sole pfiff.

Gen Mitternacht schon tief es ging,
Der Schuster so noch sah,
Vor ihm im Holzgestelle hing
Das lichte Kugelglas,
Dahinter glänzt die Lampe rein,
Durchleuchtet es mit klarem Schein.

Und immer tiefer sank die Nacht,
Und Kneif und Hammer ruht,
Und ruht flammt in Goldespracht
Des Glases Wasserflut.
Nach ihrem milden Schimmer blickt
Des Schusters Auge unverrückt.

Da plötzlich wie mit einem Mal
Dem Blindgebornen reißt
Die Binde vor des Lichtes Strahl,
So sein entzückter Geist
Schaut im erhellten Wasserball
Die Wunder Gottes ohne Zahl.

Er schaut das Licht, schaut seinen Grund,
Das in der Gottheit quillt
Aus ew'er Nacht, aus der entstund
Der Schöpfung Kugelbild,
Die in sich dunkel, sonnenhaft
Durchschienen lebt von Gottes Kraft.

Er schaut im Wasser hell und klein
Luftstäubchen körnergleich,
Wie Sonne, Mond und Sternenschein
Gestaltet in dem Reich
Der Allmacht schwebt, die, was sie trägt,
In sich gleich einem Rad bewegt.

Und wo der Liebe Strahl sich eint
Im Brennpunkt alles Seins,
Ein Fünklein Staub still schwebend scheint,
Ihm gleicht an Helle keins,
Doch sank es bald verfinstert, bis
Auf der Erbarmung Grund es stieß.

Im Safrankleid am Himmelstor
Die Morgenröte stand;
Die Lampe still die Kraft verlor,
Der Glanz der Kugel schwand.
Und aus dem Sinnen lang und tief
Das Taglicht wach den Schuster rief.

Und von der Stunde dieser Mann
Durch innres Licht erhellt
Zu denken fing, zu schreiben an
Schwer faßbar für die Welt.
Und bei dem Allen, was er schrieb,
Er stets bei seinem Leisten blieb.

Der Schuster Jacob Böhme hieß,
Den seine eigne Zeit
Verkannt, den in die Grube stieß
Die Bosheit und der Neid,
Den mit der Weisheit Gott belieh,
Doch manch ein Tor als Tor verschrie.

Der Erste ist er, der er bleibt,
An Tiefsinn, Weltverstand
Von Allem, was sein Handwerk treibt
Und trieb im deutschen Land.
Den Kopf nur schüttelt Stolz dazu,
Der barfuß steht im Narrenschuh.

Aus: Franz Binhack: Reime und Träume. Neuburg (Prechter) 1869, 75f.

Leopold Schefer

 

Leopold Schefer (1784 – 1862)

 

Jakob Böhm’s Verklärung

„Am heil'gen Osterabend, da die Hirten
 Schon alle heimgetrieben, hütet' ich
 Nur noch allein; die Abendlerchen schwirrten,
 In Feld und Büschen regte Frühling sich,
 Die Tauben in der Krone Felsen girrten,
 Ich aber saß und weinte bitterlich;
 Gestorben waren mir die theuren Herzen,
 Ich hatte nichts als mich und meine Schmerzen.

„Und dieses Buch. Und las ich in dem Buch,
 So kam gewöhnlich auch der alte Mann,
 Der einstens, daß er mir den Geist versuche,

 Mich in den Berg geführt, wo Silber rann.
 Nun frug er mich aufs Neue, was ich suche? —
 Die Todten such' ich! hub ich traurig an.
 Und willst du mir nicht deine Leiden sagen? —
 Er frug so sanft, da mußt' ich ihm sie klagen!

„Es ist umsonst! die Elemente nagen
 An meines liebsten Lebens schönster Pracht;
 Die Sonnen wandeln ohne mich zu fragen,
 So Frühling wird's, und Winter, Tag und Nacht,
 Die Sterne seh' ich auf und ab sich wagen,
 Spottglänzend düstrem Zorn und eitler Macht —
 O daß nicht, was mich quält, ich müßte, sollte!
 Sey'n auch die Todten todt! wenn ich's nur wollte!

„Es ist umsonst dein Leid, mein Geist; es stellen
 Verlornes Glück nicht Träume wieder her;
 Nur einmal wogt was lebt auf hohen Wellen,
 Dann mischt und wühlt's der Wind in grundlos Meer;
 Du leuchtest bang hinab es aufzuhellen,
 Versunken bleibts, es bleibt der Busen schwer.
 O wäre mit dem Leben jener Stunden
 Auch der Erinnrung Bild zugleich verschwunden!

„Mir ist, als könnte' ich alles noch bereiten!
 Als säß' ich noch, als Kind, im Traum von Glück;
 Wie nur aus einer Phantasie der Zeiten
 Die nicht gelang, mißfallend meinem Blick,
 Zerstört in Nebelduft die Wirklichkeiten,
 Ruf' ich den Geist in seine Welt zurück:
 Von allem, was so wie das Kind vergangen,
 Fühl ich mich neu, wie noch das Kind umfangen.

„Und heiß' ich nun den Geist ein Andres sinnen,
 So will er gern dem Traum gehorsam seyn:
 Wohl fängt er fröhlich an sich einzuspinnen —
 Doch laufen schwarze Fäden bald mit ein!
 Es fällt ihm ein sein eigenes Beginnen,
 Sein Netz bespiegelt heut'ger Sonne Schein,
 In Luft gehängt verwirrt sich sein Gewebe —
 Und nüchtern seh' ich weinend: wo ich lebe! —

„Nun sprich: Wo lebst du denn?“ — so frug der Alte;
 Wer täte denn der Treue goldne Saat? — 
 Denn als die Zeit kam, daß die Welt erschallte,
 D a  s a ß e n   a l l e   G e i s t e r   w i r   z u   R a t h,
 Und gaben ihr: daß sie sich selbst verwalte;
 Mein Wort auch ward zu Welt und Werk und That.
 Und sollt' ich nun mein eignes Wort vergessen?
 Das hieß' den Bund gebrochen, und vermessen!“

„Fest in der Weisheit goldne reine Schale
 Ward einst die ganze schöne Welt erbaut,
 Und nach dem unvergänglich klaren Male
 Mit scharfer Richtung, gleichend hingeschaut;
 Was wohnt und wirkt in diesem Himmelssaale
 Von  e i n e m  Götterfrieden wird's bethaut;
 Es kann ihm Abgewognes nur begegnen,
 Der blinde Sinn vermag's nur nicht zu segnen.“

„Es ist nur alles, und nichts ist gewesen.
 E s  g i e b t  n i c h t  einen  T o d t e n!  fort den Wahn!      
 Still schwebt ihr sicheres verklärtes Wesen
 Nicht hinter dir, es flieget dir voran!
 Und wie der alten Jahre Kraft und Wesen
 Sich jetzt im neuen Lenz hervorgethan,
 So ist die Vorwelt in das Heut verwoben,
 In ewger Gegenwart dir aufgehoben.“

„Sieh, heut noch ist die ganze Welt im Werden,
 Denn Lebenskraft ist auch die Schaffenskaft;
 Die Sonn' umsingen tanzend ihre Erden,
 Heut fällt sie, wenn sie sich nicht selbst errafft!
 Das eigne Mark ernährt der Sterne Heerden,
 Die Welt ist's die fortan sich selber schafft;
 Wie aus der ersten Nacht, mit gleichen Mächten,
 Entreißt sie sich noch heut des Chaos Nächten.“

„Und wie der Sonne nie die Tag' entschweben,
 Denn sie ist selbst erst andern Tag und Licht,
 So steh' ich Mittelsonne brütend Leben
 und das Vergangene verging — mir nicht:
 Es glänzte nur von meines Glanzes Weben,
 Fest bleibt mir Ruhendem es im Gesicht.
 Was schwebt und scheint und flieht — um mich ja kreist es —
 Das ruht im ew'gen Strahle meines Geistes.“

„Welch Unglück jemal kann der Mensch erleiden?
 Der Mensch, ein Geist der innersten Natur,
 Kann jemals sich der Geist vom Geiste scheiden!
 Was kränkte doch den Ewigsten nur!
 Und will er nun auch Leib und Erde meiden,
 Er wandelt fort auf seiner eignen Spur,
 Und hinter ihm die Windeln bleiben liegen,
 Durch seine Welt kann er nach Willkür fliegen.“

„Denn nicht ein Muß ist's das den Freien bindet,
 Er hat sich selbst die Ordnung einst gesetzt,
 Wie sie die Erd' und Sonne nun verkündet;
 Ihr strengstes Halten macht ihn hochergetzt
 Es braucht nur, daß der Mensch sich selbt ergründet,
 Der schweigend sich in Thränen selbst verletzt:
 Sieh in Dir das Gesetz, das dich umfangen,
 Dann ist dir deine Allmacht aufgegangen.“

„Und soll die ganze Welt bestehen;
 Es sollen im Vereine, fern, allein,
 Die Sterne sich in sanften Kreisen drehen,
 Die Zukunft schließe mir die Blume ein,
 Was irdisch ist, soll welken und vergehen,
 Das Alterthum, es soll vergangen seyn.
 Daran erkenn' ich meinen ew'gen Willen,
 Daß ihn die Elemente stracks erfüllen.“

„Ich will ja hoffen! und ich will ja lieben —
 Will die Natur als schöne Todte sehn!
 Ich will den Glauben, will das Schauen üben —
 Will die Natur als Braut sehn auferstehn!
 Ich will ja weinen, will mich ja betüben —
 Als Bettler arm auf meiner Erde gehn.
 Wo   I c h   kann gut seyn, ist das Seyn das beste,
 Und heimlich feir' ich sel'ge Götterfeste.“

„Ich will nun: daß mein Haar sich silbern färbe,
 Nachdem es lange braun und blühend war;
 Nun will ich, daß ich Alter, Müder sterbe,
 Wie ich gewollt, daß mich ein Weib gebar;
 Damit ich andres Daseyn mir erwerbe,
 Nachschwebe der mir vorentschwebten Schaar;
 Wie's in dem neuen Kreise wird ergehen,
 Nach meinem Wollen wird mir nur geschehen.“

„So freuet mich die Welt — mein Schmuck — im Stillen,
 Und was auch alles außer mir geschieht,
 Ist mir: als thät' ich alles Selbst erfüllen,
 Und alle Sphären singen nur mein Lied;
 Sie fragen mich nicht mehr um meinen Willen,
 Sie haben ihn! Ich segne sie in Fried'.
 Auf meinen eignen Flügeln hingetragen
 Will ich des Himmel Hallen all' erjagen.“ —

„Und zu der Worte staunendem Beweise,
 Zog er das sternenvolle Himmelblau
 wie einen Vorhang weg, daß ich im Kreise
 Der Geister selbst mich an der Tafel schau'
 Wie sie zu Rathe saßen, und noch leise
 Dort sitzend, wirkten an dem heil'gen Bau —
 Und meine Todten lächelten mir nieder —
 Und leise schloß der Geistersaal sich wieder.“

„Da fühl ich mich als einen andern Hirten,
 Und andre goldne Lämmer hütet' ich!
 O Lust! o Glück, wenn nun die Lerchen schwirrten,
 und regte Frühling um die Gräber sich!
 Und wie die Tauben in den Felsen girrten,
 So saß ich noch und weinte — wonniglich!
 Und daß Euch bleibe das, was mir geblieben,
 Hab ich des Alten Wort Euch aufgeschrieben.“

 

Luise Cuno

 

Luise Cuno
(1835-1887)


"Wem Zeit ist wie Ewigkeit,
und Ewigkeit wie Zeit,
der ist befreit von allem Leid"

Jakob Böhme


Wie ein Pfeil enteilt dem Bogen,
Wenn der Schütz' ihn hält bereit,
Also ist die Zeit verflogen;
Näher kommt die Ewigkeit.
Was da grünet, was da blühet,
Das wird bald ein dürres Laub;
Was in Erdenpracht erglühet,
Alles fällt der Zeit zum Raub.

Aber was von Oben stammet
Aus der Ewigkeiten Schoß,
Was in ew'ger Liebe flammet,
Das hat auch ein ewig Los.
Als der Heiland ist erschienen,
Kam die Ewigkeit zur Zeit
Und sein Tod und Leben dienen
Aufzulösen diesen Streit.

Wo Er sich mit uns verbindet,
Da ist sel'ge Ewigkeit;
Wo die Seel' Sein Antlitz findet,
Dringt das Ew'ge in die Zeit.
Wo man Seine Näh' genießet,
Da giebt's nur ein selig Nu,
Wo Sein Leben sich ergießet,
Da ist ew'ge, sel'ge Ruh'!

Aus:  Deutschlands Dichterinnen. Blüthen deutscher Frauenpoesie aus den Werken deutscher Dichterinnen der Vergangenheit und Gegenwart ausgewählt von Karl Wilhelm Bindewald. Osterwieck/Harz [1895], S. 387.

Zur Einweihung des Böhme-Denkmals 1898

Im folgenden Karussell können Sie die Seiten eines "Kommers zur Enthüllungsfeier des Böhme-Denkmals 1898" sehen, mit Gedichten von Emil Barber und Karl Thomas.

 

kommers1Quelle: digital-slub-dresden, Görlitzer Sammlungen.

Download als pdf-File

 

Siehe auch das Programm der Feierlichkeiten 1924 unter Görlitz

 

 

Sheila Kaye-Smith

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Sheila Kaye-Smith (1887-1956): the Song of Jacob Boehme

The wild fowl hath not seen it,

  No vulture flown so high,

The lion's whelp hath not trodden,

  Nor the fierce lion passed by,

The crags and the abysses

  Of that most lonely way,

Which windeth in the mountains,

  And leadeth to the May.

 

The chymist labours nightly,

  No travail will he shirk,

If he can hope to finish

  The Philosophic Work.

Mercury, salt, and sulphur,

  In Athanor are they,

But through their transmutation

  He cannot find the May.

 

And I am but a cobbler,

  At work from morn till night,

A poor and silly groundling

  Who scarce can read or write;

With cares of trade and household

  I struggle all the day,

But I have trod the mountains,

  And I have found the May.

 

—The May of glancing sunshine,

  The May of glowing flowers,

Of singing birds, and breezes,

  And swift leaf-scented showers.

No more I fear the Turba,

  For I have seen God play

Among the dews and lilies

  Of the Eternal May.

 

O I have found the spring-time

  Of green sun-spotted shade!

O I have found the garden

  Where roses never fade!

O I have learned the secrets

  And signs of all the sky,

And wrought the Magnum Opus

  Of holy Alchemy!

 

The salt Impress of Saturn

  Is mine, and Luna's Form,

And Mercury's sharp Flagrat,

  And Mars' most ruddy storm,

Mine is the young child Venus,

  Mine Jupiter's pure might,

I haunt the sacred Houses,

  I read the dooms of night.

 

The magical Triangles

  Have shown me what they hold

Of light and corporiety,

  Of bitterness and gold,

I saw God in the garden,

  I saw Him on the Tree,

Dying to bring back Adam

  Into the Liberty.

 

Men laugh, and call me crazy,

  The pastor saith I've sought

To overturn the doctrines

  That Martin Luther taught,

My books he burnt, with curses,

  And I have heard him tell

Good Christians to avoid me

  As they would flee from hell.

 

The astrologers all mock me,

  The learned chymists cry,

'What hath this child to tell us

  About our Alchemy?'

I have felt drought and hunger,

  Met lions in the way,

Been wounded in friends' houses,

  But I have found the May.

 

—The May of glancing sunshine,

  The May of glowing flowers,

Of singing-birds, and breezes,

  And swift leaf-scented showers.

No more I fear the Turba,

  For I have seen God play

Among the dews and lilies

  Of the Eternal May.

 

O hearken then, thou Magus,

  And let thy love be sure,

Give worship to the Artist,

  And keep his pattern pure,

O labour in the lubet!

  And I shall humbly pray

That thou become a Champion,

  And find at last the May.

 

The magical Triangles

  Shall both at last be one,

Adam return to Paradise,

  The Mighty Work be done;

Then the meek holy servants

  Shall see their God at play—

O haste the time, great Master,

  When all men find the May!

Das Wildgeflügel hat es nicht gesehen,

  Kein Geier ist so hoch geflogen,

Der Löwenwelpe ist nicht zertreten,

  Auch der wilde Löwe zog nicht vorbei,

Die Klippen und die Abgründe

  Von diesem einsamsten Weg,

Der sich in den Bergen windet,

  Und führt zum Mai.

 

Der Alchimist schuftet jede Nacht,

  Er wird sich nicht davor drücken,

Wenn er hoffen kann, dass er fertig wird

  Das philosophische Werk.

Quecksilber, Salz und Schwefel,

  In Athanor sind sie,

Aber durch ihre Transmutation

  Er kann den Mai nicht finden.

 

Und ich bin nur ein Schuster,

  Bei der Arbeit von morgens bis abends,

Ein schlechtes und dummes Fundament

  Wer knapp ist, kann lesen oder schreiben;

Mit der Pflege von Handel und Haushalt

  Ich kämpfe den ganzen Tag,

Aber ich bin in die Berge gegangen,

  Und ich habe den Mai gefunden.

 

-Der Mai des blickenden Sonnenscheins,

  Der Mai der glühenden Blumen,

Von singenden Vögeln und Brisen,

  Und schnelle, nach Blättern duftende Schauer.

Ich fürchte die Turba nicht mehr,

  Denn ich habe Gott spielen sehen

Unter den Tauben und Lilien

  Vom Ewigen Mai.

 

O ich habe den Frühling gefunden

  Von grünem, sonnenfleckigem Schatten!

O ich habe den Garten gefunden

  Wo die Rosen nie verblassen!

O ich habe die Geheimnisse gelernt

  Und Zeichen des ganzen Himmels,

Und hat das Magnum Opus

  Der heiligen Alchemie!

 

Die Salzeinwirkung des Saturn

  Ist meine und Lunas Form,

Und Merkurs scharfer Flagrat,

  Und der verdammteste Sturm auf dem Mars,

Meines ist das kleine Kind Venus,

  Meine Jupiters reine Macht,

Ich spuke in den heiligen Häusern,

  Ich lese die Untergänge der Nacht.

 

Die magischen Dreiecke

  Haben mir gezeigt, was sie halten

Von Licht und Körperlichkeit,

  Von Bitterkeit und Gold,

Ich sah Gott im Garten,

  Ich habe ihn auf dem Baum gesehen,

Adam unbedingt zurückbringen

  In die Freiheit.

 

Männer lachen und nennen mich verrückt,

  Der Pastor sagt, ich habe gesucht

Um die Doktrinen umzustürzen

  Das hat Martin Luther gelehrt,

Meine Bücher hat er verbrannt, mit Flüchen,

  Und ich habe gehört, wie er sagte

Gute Christen, die mich meiden

  Da sie vor der Hölle fliehen würden.

 

Die Astrologen verspotten mich alle,

  Die gelehrten Alchimisten weinen,

Was hat uns dieses Kind zu sagen?

  Über unsere Alchemie?

Ich habe Dürre und Hunger gespürt,

  Hat Löwen im Weg gestanden,

Wurde in den Häusern von Freunden verwundet,

  Aber ich habe den Mai gefunden.

 

-Der Mai des blickenden Sonnenscheins,

  Der Mai der glühenden Blumen,

Von Singvögeln und Brisen,

  Und schnelle, nach Blättern duftende Schauer.

Ich fürchte die Turba nicht mehr,

  Denn ich habe Gott spielen sehen

Unter den Tauben und Lilien

  Vom Ewigen Mai.

 

O höre denn, du Magus,

  Und lass deine Liebe sicher sein,

Verehren Sie den Künstler,

  Und sein Muster rein halten,

O Arbeit im Schmiermittel!

  Und ich werde demütig beten.

Dass du ein Champion wirst,

  Und finden Sie endlich den Mai.

 

Die magischen Dreiecke

  Sollen beide endlich eins sein,

Adam kehrt ins Paradies zurück,

  Die mächtige Arbeit kann getan werden;

Dann die sanften heiligen Diener

  Sie sollen ihren Gott im Spiel sehen.

O eile die Zeit, großer Meister,

  Wenn alle Menschen den Mai finden!

 

aus: Willow's Forge, London 1914

 

Max Herrmann-Neiße

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 Max Herrmann Neisse:

Acht Gedichte aus der Nachfolge Jakob Böhmes

(Mit brüderlichen Grüßen zu Franz Jung)

„Gestellet für uns selbsten zum Ingedenk und Aufrichtung in dieser verwirreten, elenden und trübseligen Zeit.“ (Jakob Böhme, „de triplici homines“)

 

Auch der Zweifler bleibt in Gottes Sphäre

 

Heile Hunger, Giftqual und Begierde

und verschütte jede Leidenschaft,

jeden Zank, der nicht zu Gottes Zierde

seine Schiedlichkeit zusammenrafft!

 

Aber was, noch mit sich selber streitend,

seine Fackel nach den Wolken wirft,

Schild und Schild zur Sonnenbrücke breitend,

über die der Fuß gen Erden schlürft:

 

sei geschürt zum ungeheuren Brande,

der in einer Flamme sich verzehrt,

über Feindes-Lande, Freundes-Lande!

 

Und die Stadt, die sich vor Gott verstockt,

weil sie ihn noch gütiger begehrt,

gilt ihm mehr, als die ihn lächelnd lockt.

 

Anmerkung:

Die acht Gedichte (wir geben nur einen Auszug) stammen aus: Empörung – Andacht – Ewigkeit. Gedichte. Leipzig 1918. Das Motto aus dem „Dreifachen Leben des Menschen“ findet sich zu Beginn unter „Kurtzer Begriff dieses Buches“, mit der Ergänzung „im Jahr 1620“.

 

Thomas Isermann

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Aurora

Das Herz ward dir gestärkt von Menschenhand,

gehemmt pulsierte es zu kranken Adern,

bis, neu genäht, das Herz im Leben stand,

der Körper war bereit zum Wandern.

 

Der Finger der vorm Mund ans Schweigen dich erinnert,

sich von den Lippen löst und weist dir deinen Weg.

Ein jedes Ding hat seinen Mund zur Offenbarung,

ein jeder Mund den Ton für mancher Dinge Klang.

 

Und willst du das nicht glauben,

so thue deine Augen auf,

und gehe hin zu einem Baum,

 

und siehe den dir an und dann besinne dich.

Neu geheilt befreit sich mein Verstand,

weil ich Jacob Böhme wieder fand.

 

 

Die Rose des Mystikers

 

Ein iedes Ding hat seinen Mund

zur Offenbarung. Zeig’ die Blüte,

auch wenn vom Stengel eine Wund’

gerissen ward, daraus erglühte

 

so hell ein brennend heißes Wort,

das alle Kinder herzwärts tragen.

In Liebe trägt Natur uns fort,

wohin, das mag die Seele sagen.

 

Wovon der Name nicht bekannt,

davon die Seele nichts versteht.

Geheim ist Glück. Ein fernes Land

 

die Zeit, die nah um uns vergeht!

Hat Sonne uns das Feld verbrannt,

wird neues Leben ausgesät.

Luzian Gryczan

 

LUZIAN GRYCZAN

gedichte

im geist

JAKOB BÖHMES

(Auszüge aus einem Epos)

(BRAUTFEST)

___________

T  O  R

R

T

es war einmal so still

auf erden, daß es schmerzte,

zu sprechen. so war sprechen noch

ein umgehen der verletzung

im echo, ein sammeln der wunde

unter dem sich im lichtwind

wiegenden berge der wunder. -

sternfest

der ineinandertaumelnden namen:

da gingen götter auseinander

hervor in die gärten der namen. -

oh bergfest!

wo pardell und hirschkuh gottwurzel

suchen, still, unter den herzen

unhörbarer menschen.

***

des göttlichen worthaus, ich sah´s

im gedicht auch friedrich hölderlins,

sein gerüst, sich richtend

im eignen – ein licht-

wirkend gebäu über

getürmen von menschen,

- welch anmaß! täuschung

und trug der sich träumt

ohne bild -. und er stieg

den worten hinaus wie

aus mitten von vögeln,

welche die nachricht, die

zu bringen sie steigen,

verspeisen... so aber nicht

uns das worthaus erleuchteter flüge

der einsicht, göttlich – oh glücksfrucht -,

und herzwerk der sonne, wie

der engel schuster

jacob böhm´es gesehen

und fühlte, mittmang

sich rüstender eisen ur-

teilend gieriger diebe, die,

der eigensucht fieber

in paradiesbilder kehrend, später

das feuer ur-teilen, unbelehrbar

und hastig, die diebe, zeitüber

dem weltstein zu löschen

die goldene kraft seiner wildheit...

und so auch wars jener, der frühre, dem

der deutlichste dichter am nächsten,

durch berühmte sande zu folgen,

bereit stand auf der ihm

„tönenden rippe“ der erde, im fieber

der ausfahrt – und es zischte

im sand offener wunde

rot auf die gottfrucht

in der rückflut der sonne: atmend,

der weltstein, das wunder...