Die neue Situation

 
 

Die Corona-Pandemie greift wieder und weiter um sich. Es ist nach wie vor ein Zeichen der Vernunft und Solidarität, sich körperlich voneinander fern und auf Distanz zu halten: ein merkwürdiger Widerspruch, den uns nicht abstrakte Gedanken aufnötigen, sondern biologische Sachverhalte, und es entspricht medizinischer Vernunft, dem zu folgen.

Das hätte uns Jacob Böhme auch empfohlen. Wie zur Warnung schreibt er in der „Aurora oder Morgenröthe im Aufgang“ unter dem Stichwort „von der süssen Qualität“:

„Sie ist ein Anblick und Quell der Sanftmuth. Hinwieder hat sie auch einen grimmen Quell, einen Quell des Todes und des Verderbens in sich: denn so sie in der bitteren Qualität entzündet wird in dem Element Wasser, so gebäret sie Krankheit und Pestilenz. So sie aber in der Hitze und Bitterkeit entzündet wird, so infiziert sie das Element Luft, davon gebäret sich die geschwinde, fliegende Pestilenz und jählicher Tod.“

In dem Zitat warnt er uns, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Pest sich in der Luft schneller verbreitet als im Wasser.

Indem wir uns an den medizinischen Rat halten, tragen wir alle etwas dazu bei, dass Böhmes Görlitz, das zur Zeit von der Pandemie besonders betroffen ist, alsbald wieder zu einer Begegnungsstätte wird.

 

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Institutionen zu einem Nachdenken und Umdenken geführt. Zumal an den Einrichtungen der Kulturwissenschaften und ihren Kommunikationsformen wird diese neue Situation nicht spurlos vorüber gehen, auch nach der Pandemie nicht.

Wenn etwa Seminare und Symposien zukünftig mehr online abgehalten werden, so wird es viele Änderungen bedeuten. Es wird einzelne Veranstaltungen geben, zu denen eine persönliche Anwesenheit mit Übernachtung und aufwendiger Anfahrt nicht nötig ist. Die Online-Veranstaltungen werden an Bedeutung zunehmen. So wird es etwa nicht immer nötig sein, einen Tag mit zahlreichen Vorträgen zu füllen, „damit sich die Anfahrt lohnt“, sondern sie können bequem auf mehrere Tage verteilt werden.

Natürlich wird die Online-Konferenz die „analogen“ Begegnungen nie völlig ersetzen. Aber es wird Mischformen geben. Solange das Corona-Virus herrscht, werden wir womöglich ausschließlich uns online nur austauschen können. Diese Mischung aus echter Begegnung und Online-Kommunikation wird auch in unserer Jacob-Böhme-Gesellschaft umgesetzt werden müssen.

Diese neue Situation, von der wir alle hoffen, dass die Gefahren für die Gesundheit alsbald ein Ende haben  mögen, könnte Impulse setzen. Unsere Vereinsmitglieder etwa wohnen und leben über den ganzen Globus, stärker noch auf ganz Europa verteilt. Um diese Mitglieder noch besser zu erreichen und mit unseren Aktivitäten vertraut zu machen, besser noch: sich vielleicht selbst mehr einzubringen, bietet sich eine bessere Nutzung der Online-Möglichkeiten geradezu an.

 

Aber Online ist nicht alles. Wir arbeiten daran, auch außerhalb von Meetings oder Seminaren überall erreichbar zu sein und die Nachteile von Online-Konferenzen - etwa schwache Leitungen, schlechte Akustik oder wackelige Bilder - durch eine exklusive Präsentation von Beiträgen auszugleichen und zu neuen Qualitäten zu gelangen.

 

 

Jacob Böhme-Gesellschaft

Vorstand und Redaktion Homepage