posthumes Böhme-Portrait um 1730

Bericht über die Barockkonzerte zu Jacob Böhme in Görlitz

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Person und Bildnis

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Jacob Böhme (1575 bis 1624) war ein Mystiker. Von Beruf Schuhmacher, hatte er keinen Zugang zur akademischen Bildung, und er hat sich das Wissen seiner Zeit autodidaktisch angeeignet. Er hinterließ ein umfangreiches philosophisch-religiöses Werk, das ihn weit über den deutschen Sprachraum hinaus berühmt gemacht hatte. Da er für seine Spekulationen ausschließlich die deutsche Sprache – statt der lateinischen – verwendet hatte, gilt er als der „Philosophus Teutonicus“, der erste deutsche Philosoph.

Böhme musste sein Schreiben vor Kirche und Staat verteidigen. Ihm erschienen seine Schriften und seine Ideen religiös gerechtfertigt, und so erlebte er die Inhalte seines Denkens und seiner Visionen wie göttliche Eingebungen, indem der Heilige Geist in ihm „durchbrach“. In seinem ersten Buch, „die „Morgenröte im Aufgang“ von 1612, beschreibt er dieses geistige Befreiungserlebnis:

„Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist  (dann ich wenig und nichts verstund, was er war) ernstlich in Gott erhub als mit einem großen Sturme, und mein ganz Herz und Gemüthe samt allen andern Gedanken und Willen sich alles darein schloß, ohne Nachlassen, mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu ringen, und nicht nachzulassen, er segenete mich denn, das ist: er erleuchtete mich denn mit seinem Hl. Geiste, damit ich seinen Willen möchte verstehen und meiner Traurigkeit los werden; – so brach der Geist durch.

Als ich aber in meinem angesetzten Eifer also hart wider Gott und aller Höllen Porten stürmete, als wären meiner Kräften noch mehr vorhanden, in willens, das Leben daran zu setzen welches freilich nicht mein Vermögen wäre gewesen ohne des Geistes Gottes Beistand - alsbald nach etlichen harten Stürmen ist mein Geist durch der Höllen Porten durchgebrochen bis in die innerste Geburt der Gottheit und allda mit Liebe umfangen worden, wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfähet.

Was aber für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden. Es läßt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich der Auferstehung von den Toten.“

Jacob Böhme: Aurora oder Morgenröte im Aufgang, Kap. 19, 10-12

 

Neissebrücke um 1610

Neißebrücke vermutlich mit Böhmes erstem Wohnhaus

(helles Haus vorn links) um 1610

 

Von dem Görlitzer Mystiker Jacob Böhme wurde kein authentisches Bildnis überliefert. Gemälde oder Kupferstiche zu seiner Person sind erst nach seinen Lebzeiten entstanden. Frühe bildliche Darstellungen beruhen zumeist auf einer Beschreibung seines Schülers Abraham von Frankenberg:

"Seine J.B. äusserliche Leibes-Gestalt war verfallen, und von schlechtem Aussehen, kleiner Statur, niedriger Stirne, erhobener Schläffe, etwas gekrümmter  Nase,  grau  und  fast  Himmel - blaulich   glitzender    Augen,sonsten wie die Fenster am Tempel Salomonis, kurtz-dünnen Bartes, kleinlauter Stimme, doch holdseliger Rede, züchtig in Gebärden, bescheidentlich in Worten, demüthig im Wandel, geduldig im Leiden, sanftmüthig von Herzen.“

Das Gemälde (oben links auf dieser Seite) stammt von Gottob Glymann, um 1720, posthum entstanden.

In den darauffolgenden Zeiten finden sich in Gestik und Aussage hiervon abweichende Böhme-Bildnisse, wie der hier wiedergegebene kolorierte Stich, der in der Oberlausitzischen Bibliothek liegt.

Böhme-Stich Anfang 18. Jahrhundert